![]() | 08. Februar 2012 Who is Who? Es wird Zeit mich von ihm abzuwenden, sonst wird es gefährlich! Dann kann ich im entscheidenden Moment nicht loslassen und leide. Vielleicht hilft es mir mich darauf vorzubereiten indem ich meine Gedanken niederschreibe. Er ist jahrzehntelang mein Freund gewesen. Ich habe ihn – nein „geliebt“ wäre zu viel gesagt – versucht mich weitestgehend mit ihm zu identifizieren, zumindest was seine guten, erfolgreichen Seiten angeht. Doch nun, da er in die Fänge eines totalitären Regimes geraten ist und daran zu zerbrechen droht, muss ich ihn aufgeben… Zuerst einmal ist es wichtig alle Spiegel abzuhängen oder zu-mindest das Gespenst, das ich darin erblicke zu ignorieren. Nur wenn überhaupt kein Zusammenhang mehr zwischen ihm und mir besteht werde ich handeln können, oder anders ausgedrückt, imstande sein der Handlung die er unweigerlich ausführen muss beizuwohnen. Zunächst dürfen wir einfach nicht mehr zusammen gesehen werden! Dabei ist es völlig unwichtig ob das anderen auffällt oder nicht. Wir haben nichts mehr miteinander gemeinsam. Auch die Erinnerung nicht. Ab heute darf es ausschließlich nur mehr seine Erinnerung geben. Sei sie so angenehm wie sie wolle. Sie hat keine Bedeutung für mich! Denn aus der Bedeutung erwächst die Pflicht und eine Pflicht ihm gegenüber möch-te ich nun kategorisch ablehnen. An ihm haftete etwas Unannehmbares, etwas Abscheuliches, bei dem ich nicht mehr zulassen kann, daß es von mir Besitz ergreift. Lange genug war ich gewissermaßen eins mit dem Kerl. Lange genug habe ich zugelassen daß er mich in die Irre führt, für die er zwar kaum etwas konnte, die jedoch jederzeit ihren Mantel über uns beide ausgebreitet hat – nicht bloß über ihn! Jede Art von Rücksicht wäre also ab sofort fehl am Platz! Ich muss ihn nun, da ich ihm absolut nicht mehr helfen kann (das konnte ich ja noch nie, obwohl ich es aufrichtig versucht habe) seinem Schicksal überlassen, seinen falsch getroffenen Ent-scheidungen, den Spätfolgen seiner schlechten Erziehung, den nicht für ihn gemähten Wiesen auf die er traf, seinem…wie man es auch immer nennen mag. Und ich muss mir vor Augen führen daß dies das unwiderrufliche Ende unserer Freundschaft ist. Alles was er ab jetzt empfindet darf ich nicht mehr mitempfinden. Wenn er sich ein Bein bricht darf ich keinen Schmerz spüren und wenn er erfriert, dann muss er genug Schnaps dabei haben, damit sämtliche Eindrücke die mir sein Körper vermitteln möchte, hinuntergespült werden können in einen seligen Grund. Ich hoffe der Winter dauert noch lange, damit ich mich darauf vorbereiten kann. Ich werde ihm gleichgültig in den Wald folgen – vorher natürlich tunlichst alle Spiegel vermeiden. Dort werde ich ihn veranlassen sich auf die eisige Erde zu setzen und den Mantel zu öffnen. Dann befehle ich ihm zu trinken! Ich suche mir derweil einen süßen Traum heraus, der aber nicht aus unserer gemeinsamen Erinnerung kommen darf ( denn die haben wir ja nicht) und dann werde ich warten bis er sich endlich geschlagen gibt. Mich, so hoffe ich, werden dann irgendwelche Leute, Zustände, Schemen, abholen. Mich, denjenigen, der mit der Geschichte meines Freundes nur am Rande zu tun hatte, in guten und in schlechten Tagen sozusagen. Das einzige Problem dabei ist: wer bin ich eigentlich? (c) Sur_real |
![]() | 08. Februar 2012 Gnadenlos ... ... und ergreifend! Danke! |
![]() | 08. Februar 2012 ich habe zu danken... |