Die Tochter

Ich habe eine Tochter. Die treff ich in einer Stunde. Sie ist zweiundzwanzig. Sie gleicht ihrer Mutter. Sagt man.

13. November 2011
Die Tochter

Ich habe eine Tochter. Die treff ich in einer Stunde. Sie ist zweiundzwanzig. Sie gleicht ihrer Mutter. Sagt man. Sie ist meine Tochter. Meine Tochter. Und sie gleicht mir.

Der Gedanke macht mich scharf. Meine Tochter ist in mir. Ich will sie.

Wasser prallt in meinen Nacken. Die Duschen in diesen Hotels sind stark. Und das tut gut. Starke Duschen sind gut. In meinem Nacken.

Mein Schwanz ist hart. Aufgerichtet zwischen meinen Beinen. Meine Beine stehen stramm und gefühllos. Meine Füssen auf dem blanken Weiss, da unten, fern von mir.

Ich packe meinen Schwanz. Mit meinen Händen pack ich ihn. Ich liebe dieses Gefühl. Im ersten Moment. Wenn da die pralle Härte in ihrer Unverblümtheit einfach ist. - Nimm mich! Ich? Wer nimmt wen?

Ich reibe. Reibe fester. Das Wasser knallt in den Nacken. Tropft auf meinen Schwanz. Den ich reibe, der mich auflädt, der mich aufregt, der mich. Spritz. Spritz. Spritz. Meine Hand lässt los, der Samen ist draussen.

Ich stell die Dusche ab. Greife mir ein weisses weiches Frottetuch. Trockne mich ab. Ein Blick in den Spiegel. In einer Stunde treff ich meine Tochter. Das Tuch um meinen Hüften. Ich bin der Häuptling. Mein Schwanz wird wieder hart.

Ich bin nervös. Seit über einem Jahr hat meine Tochter nicht mit mir gesprochen. Ich werde ihr mal ordentlich die Leviten lesen. Heute Abend, in einer Stunde. Meine Tochter spricht mir mir!

Ich verlasse das Badezimmer und stolpere. Fall auf die Schnauze und hau mir das Knie am Glastisch auf. Blut quillt aus der Haut. Ich fühle keinen Schmerz. Nur meinen Schwanz. Hart. Das Blut tropft auf den Teppich. Ich werfe mich zu Boden auf den Bauch. Reibe meinen Schwanz. Am Teppich. Mein Gesicht reibt mit. Ich rieche den Teppich.

Plötzlich. Es riecht nach Milchreis. Ich werde müde. Nein, ich will keinen Milchreis. Nein, geh weg mit deinem verdammten Löffel. Ich kotze.

Es tut weh, wenn du mich schlägst. Und es ist noch nicht genug. Du schlägst immer weiter, in mein Gesicht, und es brennt. Ich bin ein Milchreis, der sich erbricht. Und ich ersticke an meinem Schmerz. Mama, ich will keinen Milchreis! Ich will einfach keinen Milchreis. Ich schreie – stumm.

- Hallo? Ist alles in Ordnung mit Ihnen?

Ich spüre eine Hand auf meinem Rücken. Mein Herr, alles in Ordnung? Die Hand ist warm. Sie schmilzt in meine Haut. Ich sterbe. Für einen Moment. Die Hand auf meinem Rücken. So warm.

Ich schliesse die Augen bevor ich sie öffne. Und nach der Hand Ausschau halte. Sie sehe. Dunkel ist ihr Arm, traurig und noch dunkler ihre Augen, halb offen ihr Mund. Ihr Gesicht voll Besorgnis. Ich lächle. Sie zieht ihre Hand zurück. Und ihren ganzen Körper.

Ich packe ihre Fussgelenke. Sie schreit auf. Ich habe sie fest im Griff. Reisse sie zu Boden, zerre sie zu mir. Ein Bein links von meiner Schulter, das andere rechts. Sie trägt ein anthrazitfarbenes Schürzenkleid. Ich reisse es auf. Knöpfe springen auf beide Seiten. Ich habe viel Kraft. Und ich bin schnell. Schneller als sie. Ich werfe mich auf sie. Heftig. Fraglos. Ich reisse an ihren Strümpfen. Es geht ganz leicht. Ich bin ein Messer. Ich spür die Hitze zwischen ihren Beinen. Ich will Hitze spüren. Mein Schwanz dringt in ihr Fleisch. Es geht leicht. Weil ich stark bin. Ich ficke sie. Ficke sie. Sehe kurz in ihre weit aufgerissenen Augen. Da ist keine Liebe. Ich stosse noch härter. Du willst mich, stimmt’s, du willst mich! Sie schreit. Ich stosse noch einmal, noch härter, reisse sie auf. Und ich schreie mit. Endlich bist du mein.

Ich spritze in ihren Leib. Einmal, zweimal, dreimal. Ich ziehe den Schwanz aus ihrem Schoss. Und lächle. Tätschle ihr Gesicht. Das war geil, du Schlampe.

Die Frau, sie ist dunkelhäutig, die Haare glatt nach hinten frisiert. Ihre Augen sind kalt. Hei, starr mich nicht so an. Es war geil! Alles klar?

Ich lehne am Glastisch.

Die Frau steht auf. Ihrer Schürze fehlen vier Knöpfe. Ich sehe einen dunkelblauen BH. Er ist hässlich. Sie geht rückwärts zur Tür. Das wirst du mir büssen, du Schwein.

Ich lache müde. Klar, Mäuschen. Beruhige dich. So gefickt wirst du nicht jeden Tag! Du wirst das noch zu schätzen wissen. Und nun mach kein Drama. Okay.

Die Frau spukt auf den Boden. Sie steht bereits bei der Tür. Schwein!

Ich verliere die Geduld und stehe auf. An der Tür hängt mein Jacket. Die Frau beginnt wieder zu schreien. Hei, beruhige dich, verdammt nochmal. Ihre Hand ist auf der Türklinke, ihre Augen sind tot. Ich ziehe meine Geldbörse aus der Jackettasche und entnehme ihr einen Hundertdollarschein. Hier Kleine, nimm und mach dir einen schönen Abend. Der Geldschein segelt langsam zu Boden. Die Tür fällt ins Schloss.

Ich stehe alleine im Zimmer. Bin ruhig. Alles ist okay. Ich werde meine Tochter sehen. In weniger als einer Stunde. Und ich freu mich darauf. Nach einem Jahr.
13. November 2011

Nicht schlecht!
Innerhalb kürzester Zeit schaffst du ein unglaubliches Gefühlschaos und am Ende steht man sprachlos da.

Carmen
13. November 2011

Die kurzen Sätze packen einen und bringen einen mitten in das kalte Geschehen, das kurz eine schmerzhafte Erinnerung bloßlegt, nur um dann wieder in einer lieblosen, kalten, brutalen Tat zu enden. Puh!
Du hast dafür einen sehr atemlosen Erzählstil verwendet.

LG Herta
13. November 2011

Wow!
Ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen und bin etwas sprachlos momentan.

Am Anfang dachte ich noch, scheiße, der schnappt sich seine Tochter.
Dann dieser schnelle Einblick in sein zerstörtes Seelenleben durch die Kindheit. Und dann dieser schnelle Wechsel zum spontanen Verbrechen. Und das noch offengelassene Treffen mit der Tochter. Der Leser bleibt zurück mit dem Gedanken, wie dieses wohl ablaufen wird.
Ach ja, und natürlich auch noch, ob er wohl davor noch von der Polizei geschnappt wird.
Wobei ich auch kurz dachte, er bringt diese vergewaltigte Frau an der Türe noch um.

Heieiei, eine Story voll mit Szenenwechseln, bei denen das Hirn leicht hinterherhinkt.

Schnell, atemlos, mitreißend im vermittelten Tempo. Ich musste mich ausbremsen, nicht zu schnell zu lesen.

Super geschrieben!

LG Gabi
13. November 2011

Sehr eindringlich, sehr widerlich. Sehr gut dazu passend der Erzählstil.

Herrjeh, ich mag fast gar nicht fragen, was Dich dazu inspiriert hat...

Und schon gar nicht mag ich fragen, wieso seine Tochter wohl ein Jahr lang nicht mit ihm gesprochen hat.

Bah. Gänsehaut.
13. November 2011

Heftige und verdammt mutige Geschichte!

Die Umsetzung erscheint mir sehr gelungen und packend. Alles in allem ist das emotional so mitreißend geschrieben, dass ich nicht mal auf kleine Fehler und Ungenauigkeiten achten konnte (und das will was heißen), nur über das "spuken" statt "spucken" gestolpert bin!

So kann ich nur ein ganz großes Kompliment machen. Respekt!

(Der Antaghar)
13. November 2011

brutal ehrlich und mutig - der Stil passt perfekt!
13. November 2011
was für

ein Männerbild....
13. November 2011

Ich habe mir die Geschichte nur wegen eurer positiven Kritiken durchgelesen.

Und ganz ehrlich? Mir gebt die Geschichte überhaupt nichts, außer den Gedanken: Was bewegt einen dazu so etwas zu schreiben? *nixweiss*

Luna
13. November 2011
@SirDemi

Ich schließe mich deiner Meinung an.

Beim Lesen kam mir der Gedanke, dass die Geschichte zu einem Drogensüchtigen passen könnte, der auf Entzug mutig genug war, sie niederzuschreiben.

Hartt
13. November 2011

ich gebe zu, ich habe auch erst geschluckt - es ist nicht das, was man eine "schöne" Geschichte nennt oder gerne liest.
Dennoch ist die Story fesselnd und packend geschrieben...
ich musste spontan an DSK denken...
13. November 2011

DSK? Ja, der ging mir auch gleich durch den Kopf ...

Den Inhalt finde ich auch keineswegs berauschend oder gar erfreulich, doch darum geht es nicht. Und ich weiß auch nicht, ob ich solch eine Geschichte jemals schreiben würde. Aber das, was in ihr dargestellt wird, auch das Kranke und Kaputte, das ist auf diese Weise verdammt gut gelungen.

Ein brutaler Mord in einem Thriller ist auch alles andere als eine erfreuliche Lektüre - und kann denoch schlecht oder gut geschildert sein.

(Der Antaghar)
13. November 2011

In meinen Augen unterscheidet sie sich nicht von anderen Schwanzgeschichten, die hier von vielen verrissen wurden.

Luna
13. November 2011

Selbstverständlich ist die Thematik beklemmend! Nichts zum Träumen oder sich hineiversetzen wollen.

Dennoch sollte man bitte unterscheiden können zwischen der Thematik, die einen negativ berührt und der handwerklichen Umsetzung.

Und die ist sehr gut! Sonst würde sie einige von Euch auch nicht so abstoßen. *g*

Es ist ein sehr gut geschriebener Text, dessen Stil die Thematik sehr gekonnt vermittelt. Die kurzen, abgehackten Sätze, die uns förmlich hören lassen, wie er schnaubend und von primitiven Gedanken völlig gesteuert an sich selbst manipuliert.

Ich habe übrigens auch sofort an Dominik Strauss-Kahn gedacht, mir fiel nur der Name nicht mehr ein... *g*


Zu behaupten, dieser Text unterscheide sich weder inhaltlich noch stilistisch von einigen hier zuletzt gezeigten "Schwanzgeschichten" zeugt - sorry -leider von wenig Gespür.
13. November 2011

ich sehe es auch so, dass diese Story auf eine künstlerisch interessante Art ein ekliges Thema gut darstellt, d.h. sie ist passend und durchdacht und gut geschrieben.

Mich wundert, dass es zu den im Text angeschnittenen Behauptungen/Erklärungsversuchen keinen Kommentar gibt, die in anderes Stories hier bereits zu lebhaften Diskussionen geführt haben
1. schlimme, lieblose Kindheit führt zu brutalen, lieblosen Akten
2. Interesse an der Tochter als Sexobjekt (sie sieht gut aus - sie sieht ihm ähnlich - sie ist Sein..)

und nur, weil die Vergewaltigung in einem Hotel stattgefunden hat, denkt jeder gleich an DSK, aber ich hoffe doch mal sehr, dass weitere Ähnlichkeiten ausgeschlossen und unbeabsichtigt sind, denn anzudeuten, dass der Direktor des internat. Währungsfonds belastet durch Missbrauch in der Jugend zu einem schwanzgesteuerten Vergewaltiger wurde, ginge wohl zu weit.
So jemand würde es selbst in der Politik nicht weit bringen - der beschriebene Kerl da ist viel zu kaputt und hat sich überhaupt nicht unter Kontrolle.

Würde nur allzu gern mehr von der Autorin über ihre Beweggründe hören.
Kompliment für die Schreibe und deinen Mut.

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