Fetisch

Für gewöhnlich verstehen die meisten Menschen unter einem Fetisch nicht nur die von einem Gegenstand oder Material…

23. Januar 2011
Fetisch

Für gewöhnlich verstehen die meisten Menschen unter einem Fetisch nicht nur die von einem Gegenstand oder Material abhängige Lust, sondern verbinden es auch mit solchen Attributen wie „abartig“, „unnormal“ und „schmutzig“. Die folgende Geschichte ist mir so ähnlich vor einigen Jahren passiert. So kann ich nur sagen, dass es mir ein Bedürfnis war, sie zu schreiben, von der ein Teil hier zu finden ist. Möge sich jeder selbst seinen Reim darauf machen, warum.

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Sie war eine ziemlich kleine Frau, die beim Tanken gerade so über ihren roten Mini schauen konnte. Dummerweise sah sie genau in meine Richtung und irgendetwas funkte da mächtig zwischen uns. Wir waren noch beim Sortieren dessen, was da gerade in unseren Köpfen Unfug machte und so bekamen wir deswegen nicht mit, dass wir nicht beide gleichzeitig durch den Eingang zur Kasse passten.
Ein paar Entschuldigungen und eine halbe Stunde später saßen wir uns in einem kleinen, um diese Nachmittagszeit wenig besuchten Kaffee gegenüber und ich hatte Zeit, sie mir in Ruhe anzuschauen. Alles an ihr war klein, der schön gezeichnete, ausdrucksstarke Mund, die Nase, die sich vorwitzig ein wenig nach oben bog und auch die gepflegten, langfingrigen Hände. Nur ihre Augen passten nicht in dieses Bild, denn jedes Mal, wenn sie mich anschaute, wurden sie groß und dunkel und der fehlende Kontrast zu ihrem langen, schwarzen Haar erhöhte die Faszination dieser Augen nur noch.
Irgendwann wussten wir im Laufe des Gesprächs, das mehr aus Schweigen als aus Reden bestand, nicht mehr wohin mit unseren Händen und der Zufall wollte es wohl, dass wir sie auf die gleiche Stelle der Tischplatte ablegten. Sie errötete leicht, als sie ihre Hand sanft auf die Meine legte, aber sie ließ sie dort und ich genoss es einfach. Die roten Wangen machten aus ihrem um diese winterliche Jahreszeit sehr blassen, ungeschminkten Gesicht ein kleines Schneewittchen.
Viele Telefonate, Kaffe- und Barbesuche später fanden wir uns ein halbes Jahr später in diesem Hotelzimmer wieder und sie hatte, auch wenn es jetzt Sommer war, wieder das Schneewittchengesicht, als sie mich auf dem Bett das erste Mal lange und leidenschaftlich küsste. Wir waren beide keine siebzehn mehr, mit einer bestimmten Absicht in diesem Hotelzimmer und mussten deswegen nicht viel reden. Irgendwie war es selbstverständlich, dass sie mich auszog, genau wie ich kurz darauf sie. Als ich sie so völlig nackt vor mir sah, war da nichts mehr an ihrem Körper, das klein war. Es passte einfach, die Proportionen waren perfekt und als sie meinen Blick spürte, drehte und wand sie ihren Körper im Licht der Nachttischlampe mit einem kleinen, verlegenen Lächeln, so dass ich jedes Detail erkennen konnte. Es war eine angenehme Überraschung, denn ich kannte sie zuvor immer nur in Jeans und den verschiedensten Pullovern, die auch nicht die geringste Andeutung ihrer Traumfigur preisgaben.

Sie schien ziemlich genau zu wissen, was sie wollte und als sie sich auf mir zu bewegen begann, wollte ich mich ihr angleichen, aber sie schüttelte den Kopf und klammerte mich noch mehr mit ihren Schenkeln fest. Ich hasse es, wenn eine Frau das tut. Es sollte gemeinsam beginnen und auch gemeinsam enden. Ich bin kein Pascha, für den eine Frau sich so richtig ins Zeug zu legen hat, denn wenn ich eine Frau begehre, dann möchte ich, dass sie glücklich ist und nicht ich alleine. Ich bin da ziemlich komisch gestrickt, aber sie wollte das nicht zulassen.
So bewegte sie sich auf mir, beobachtete genau meine Reaktion und passte sich mit ihren Bewegungen meinem Stöhnen an. Sie wurde schneller, heftiger, wilder und ich konnte sie nicht mehr festhalten mit meinem Blick. Sie benutzte nicht mich für ihre Lust, sondern ihren Körper für meine. Ihr Blick fesselte meinen und ließ ihn nicht los, bis sich meine Augen trübten, weil einfach nicht mehr genug Blut da war, das hätte sie versorgen können. Wie in einem Schraubstock presste sie mich zusammen und ihre Bewegungen wurden immer heftiger, bis sie schließlich meine Explosion spürte und das Zimmer um mich herum im Dunkel der Erlösung versank.
Als ich meine Augen wieder öffnete, saß sie noch immer auf mir und ich spürte das Pulsieren ihrer Vagina, mit dem sie noch mit meinem Glied spielte. In ihren Augen sah ich eine seltsame Mischung aus Befriedigung und Traurigkeit – und es tat mir weh. Nicht sie tat mir weh, sondern ich mir selbst. Irgendetwas hatte ich übersehen, irgendetwas nicht richtig gedeutet. Hätte ich mich doch gegen ihr Solo wehren sollen? War es dass, was sie gewollt hatte? Jetzt war es zu spät für diese Frage, und als sie von mir herunter glitt, so sanft und zart, wie sie sich auch auf mich gesetzt hatte, wurde mir kalt.
Sie drehte sich noch einmal zu mir. „Schlaf ein wenig, mein Schatz. Bitte denk nicht darüber nach, es war sehr schön für mich.“
Sie wendete sich mit dem Rücken zu mir, rückte ganz dicht an mich heran und nachdem sie meinen Arm über ihren Körper gelegt hatte, schloss sie die Augen. Minuten später verrieten mir ihre tiefer werdenden Atemzüge, dass sie einschlief. Mich floh der Schlaf, obwohl mein Körper todmüde war und irgendwann stand ich leise auf, umrundete das große Bett und setzte mich neben sie.
Sie lag auf der Seite, mit einem Arm klemmte sie die Decke über der Brust fest und der andere lag ausgestreckt, die kleine Hand zur Faust geballt, halb auf dem Nachtschrank. Ich dachte immer noch darüber nach, was ich falsch gemacht hatte. Die Wolken gaben das Mondlicht frei und ich sah, dass sie etwas in der zur Faust geballten Hand hielt. Der Zipfel eines Tuches schaute daraus hervor und als ich ihn ihr vorsichtig aus der Hand nahm, spürte ich, dass es sich um ein Seidentuch handelte.
Ich war ein Idiot. In dem gleichen Moment, als das kühle Material meine Hand berührte, fiel mir wieder der Beginn des Abends ein. Als wir ins Bett gingen, hatte sie ein paar Utensilien auf den Nachtschrank gelegt, Kondome, einen Vibrator und genau dieses Tuch. Ich hatte ein bisschen gefrotzelt und gesagt, dass ich es toll finde, wie sie sich stabsmäßig vorbereitet hat, aber wenn wir Kondome benutzen, benötigen wir kein Tuch. Sie war knallrot geworden und hatte irgendetwas von einem Talisman gesagt.
Pustekuchen, es war ganz etwas anderes. Ich schaute es mir genauer an, und als ich an ihm roch, stieg mir ihr betörender Duft wieder in die Nase. Da ich selbst Materialien, die glatt und glänzend sind, sehr mag, hatte ich mich auch ein wenig mit Seide beschäftigt und was ich hier in der Hand hielt, war ein Tuch aus Habotai-Seide. Das ist ein sehr teures Material, das auch als Leinwand für Seidenmalerei verwendet wird, weil es unglaublich glatt und fließend ist. Eine Berührung dieses Stoffes ist wie das Gefühl eines ganz zarten Streichelns, ein Gefühl, als würde es sich an die Haut anschmiegen und sie liebkosen.
Das war es also, was ihr gefehlt hatte. Sie hatte einen Fetisch und schämte sich so sehr dafür, dass sie es mir nicht sagen konnte. Die Traurigkeit in ihrem Blick war die Enttäuschung darüber, dass ich nicht tief genug in sie hineingesehen hatte, das ich nicht verstanden hatte, wie sehr sie sich wünschte, ich möchte es erkennen und ihn mit ihr ausleben.
Es war noch nicht zu spät und so zog ich ganz sacht die Decke von ihrem schönen Körper und als hätte der Mond ein Herz für Verliebte, schickte er in diesem Moment wieder seine Strahlen und tauchte ihre Haut in ein schimmerndes, warmes Licht. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich nicht mitbekommen hatte, wie sie wach wurde und als sich unsere Blicke jetzt begegneten, wusste ich, was ich zu tun hatte…
23. Januar 2011

hi. schon die zweite geschichte von dir, die mir sehr gefällt. ich hoffe noch viele solch schöner und bezaubernder geschichten zu lesen.

*blumenschenk*
von Bettie
24. Januar 2011

Ganz ehrlich?

Den ersten Satz finde ich so unmöglich, dass ich erst gar nicht weiterlesen wollte... es ist Deinem guten und flüssigen Schreibstil und Deinen einfühlsamen Schilderungen zu verdanken, dass ich trotzdem bis zum Ende durchgehalten habe.

Der erste Satz ist ein derartiges Klischee, ein prolliger Spruch, der in der Kneipe übers Bier hinweg genuschelt wird und er entspricht in keiner Weise der Art, wie Du diese Frau später beschreibst. Dein Stil wandelt sich im Laufe der Geschichte von schnodderig hin zu feinfühlig-sinnlich... ich weiß nicht, ob das Absicht ist, mir war das Gefälle beim Lesen eher nicht so angenehm.

Sehr schön hingegen finde ich das offene Ende. Eben die Tatsache, dass Du nun NICHT noch die eigentliche Sexszene beschreibst, um die es ging. Das gefällt mir.
24. Januar 2011
Dankeschön

@sinas_traum
Das Gefälle ist gewollt, allerdings bringst Du mich zum Nachdenken darüber, ob es so krass sein sollte.
Danke für die willkommene Hilfe.

Liebe Grüße
24. Januar 2011

Was möchtest Du mit dem Gefälle ausdrücken?

Wie ein Gefühl für einen anderen Menschen von gleichgültiger Flabsigkeit zu zärtlichem Wohlwollen übergeht?

Dann kann ich die Idee zumindest nachvollziehen... *g*
24. Januar 2011
Gefährliches Eis

Die Antwort darauf ist schwierig, ein wenig länger und ich muss mich dazu persönlich auch aus dem Fenster lehnen. Ich tue es, weil Du mich fragst und ich nichts zu verstecken habe.
Jede meiner Geschichten enthält etwas von mir, es kann auch gar nicht anders sein. Vielleicht nicht unbedingt direkte Erlebnisse, aber zumindest, in hoffentlich verschlüsselter Form, Emotionen und Einstellungen.
„Fetisch“ ist in zwei Teilen entstanden, zuerst die Bettszene und Wochen später, als ich ein wenig über das Schreiben erlernt hatte, der Vorspann mit der Personenbeschreibung und das Kaffee. Es ist ein bisschen ärgerlich für mich (aus professioneller Sich), dass ich den Übergang nicht so hinbekommen habe, dass es wie aus einem Guss erscheint. Aber was solls.
Was ist da jetzt also von mir enthalten? Kurz gesagt, meine Einstellung zum Sexpartner „Frau“. Die Versuchung hier im Joyclub liegt nahe, sich einfach so ein „Betthäschen“ zu suchen. Das kann ich aber nicht. Genauso wenig, wie ich mit keiner Frau schlafen kann, die mich (und ich sie) nicht auch tief und innig küssen mag, kann ich keinen Sex haben mit einer Frau, die mir nichts als Mensch bedeutet.
Da kann sie sich noch so reizvoll anziehen. Ich bin kein Hengst.
So musste in diese Geschichte, bei der es sich zu Anfang, genau wie bei „Stark genug, um schwach zu sein“, um ein Sexdate handelt, Gefühl hinein, sonst hätte ich sie nicht schreiben können. Gefühl bedeutet in diesem Fall nicht die sofortige Eheschließung, sondern Achtung und Respekt vor dem „Sexpartner“ als Mensch und als Frau, selbst bei einem ONS. Deshalb war mein erster Swingerclubbesuch als Solomann auch gleichzeitig mein letzter. Vielleicht zitiere ich am besten einmal die Widmung, die ich für den Joyclub geschrieben habe:

Wie alles, was geschieht, gibt es auch für die Entstehung dieser Geschichten mindestens einen Grund. In diesem Fall heißt der Grund „Joyclub“. Es handelt sich dabei um ein Internet-Kontaktportal, für Menschen, die die schnelle Nummer suchen – dachte ich.

Ich suchte nach Sex und fand Menschen. Ich suchte nach der Berührung fremder Haut und fand die Berührung meiner Seele. Ich wurde Mitglied einer Community, in der es natürlich in erster Linie um Sex und Erotik geht. „I, wie schmutzig…“. Genau, und deshalb mussten diese Geschichten geschrieben werden, denn sie stellen einen Akt persönlicher Befreiung dar.

Diesen mehr als eine Million Menschen im Joyclub verdanke ich meine Befreiung von einer Last, die ich seit fünfzig Jahren trage und diese Last hat einen Namen. „Bürgerliche doppelte Moral“ nenne ich sie und sie war stark genug, mich schuldig zu fühlen. In Zeiten, in denen tausende höchstpreisige Callgirls ihre Dienste den Leuchten unserer Gesellschaft zur Verfügung stellen, Abgeordnete ihre Laptops bei Prostituierten vergessen und Betriebsräte Sexreisen auf Kosten ihrer Firma nach Brasilien unternehmen, fühlte ich mich schuldig. Schuldig, wenn ich an Frauen in schwarzen Stümpfen dachte oder an Sex mit zwei Frauen gleichzeitig .

So gilt mein Dank den „Machern“ dieses Internetportals und den Menschen, die ich dort kennenlernen durfte. Ohne Euch wären diese Geschichten nie entstanden.

Danke!
24. Januar 2011

Was Du schreibst, macht Dich in meinen Augen zu einem sympathischen Menschen. Wenn Du sagst, Du seist kein Hengst, dann schwingt da eine Form von Bedauern mit, die zumindest nach meiner Ansicht vollkommen überflüssig ist.

Du hast sicher recht: es gibt hier alle Arten von Menschen. Solche, die nur oberflächliche, sportliche Begegnungen suchen, ebenso wie solche, die sich mehr wünschen, die mehr brauchen, um genießen zu können.

Ich habe die Vermutung, dass diese Zwiegespaltenheit, die ich zwischen den Zeilen Deiner Geschichte erspürt habe, diese Unsicherheit ausdrückt, die Du offenbar noch immer hast. Die Unsicherheit darüber, ob es ok ist, im Bett nicht einfach nur knackig abliefern zu können, egal wer drin liegt, sondern mehr zu brauchen, um genussvollen Sex haben zu können. Eine Verbindung zu dem Menschen hinter den primären Geschlechtsorganen.

Wenn ich mir solche Typen vorstelle, die Sätze wie Deinen ersten Satz im wahren Leben sagen... dann sind das Typen, die unheimlich cool und distanziert rüberkommen wollen. Die süße Kleine, die man gerade über ihre Motorhaube gucken konnte. Das Standgebläse, ging es mir sofort durch den Kopf.

Ich bin sofort nach Ende meiner Lektüre zu der Überzeugung gelangt, dass das am Anfang nicht authentisch Du bist. Erst nach und nach liest man Dein authentisches Ich heraus.

Ich kann Dir nur den Tipp geben: sei mutig und schreibe von Anfang an, wie Du empfindest. Alles andere ist für einen halbwegs empathischen Leser sowieso nicht glaubwürdig.

Mach Deinen Frieden mit der Tatsache, kein Hengst zu sein sondern ein gefühlvoller Liebhaber. Es gibt neutral betrachtet absolut keinen Grund, sich deshalb zu grämen. Im Gegenteil! Aber das ist eine Frauensicht. Männer haben da oft andere Vorstellungen und Anforderungen an sich selbst.

Ich persönlich finde Hengste im Bett weder sexy noch wünschenswert. Und ich weiß dass das seeehr vielen Frauen genau so geht.

Schreib, wie Du bist. Damit wirst Du auf lange Sicht den größten Erfolg haben.

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