Von Herzen

Es berührte mich innigst, als ich ihn sah. Und dabei war es nicht sein Aussehen, obwohl er dafür sicher auch von mir…

21. Juli 2008
Von Herzen

Es berührte mich innigst, als ich ihn sah. Und dabei war es nicht sein Aussehen, obwohl er dafür sicher auch von mir Punkte bekäme. Nein, es war etwas anderes. Etwas in ihm, das mich berührte. Und ich fühlte einen Zauber, eine sanfte Bewegung meines Herzen, als reagiere es ganz selbstverständlich ohne auf meine Gedanken zu warten, die alles erst immer gern beurteilen, filtrieren und analysieren. Dies Gefühl kam ungefiltert. Ein leichtes Kitzeln, als er mir aus der Ferne kurz in die Augen blickte. Drückt sich so unsere Seele aus? Reagieren wir, weil wir ähnlich fühlen, oder weil die Seelen sich auf einer anderen Ebene in irgendeiner Art und Weise erkennen? Für eine Millisekunde verliebt. Der Herzschlag erhöht sich, der Puls beschleunigt, der Atem schnell. Die Hände werden feucht und die Wangen rot. Wir reagieren, doch worauf? Auf eine Gier in uns, die uns treibt? In diesem Moment fühlen wir uns lebendig. Warum nicht vorher? Sind wir da nicht lebendig? Oder is es das Erkennen, das wir suchen. Wir wollen erkannt werden in unserem ganzen Sein, und in unserer Seele. Der Weg dazu führt übers Herz, über das Gefühl, über die Hingabe, die Liebe.

Während er immer näher kommt, hab ich das Gefühl, das etwas großes vor sich geht. Möglichkeiten eröffnen sich und meine Phantasie schlägt Purzelbäume. Zeichnet Bilder höchster Qualität von inniger umschlungener Liebe, bis heftigster Leidenschaft, von trauter Zweisamkeit und kreativen Höhenflügen, bis zum Lebensende. Das Gefühl, etwas gefunden zu haben, etwas dass endlich Erfüllung verspricht, Erfüllung zur Ganzheit, zum vollkommen werden. Aus Zwei werde Eins. Die Sekunden fliehen und der Moment zieht vorüber. Und ich bin wieder einfach nur ich selbst. Zurück bleibt ein schaler Nachgeschmack. Ich bin und bleibe immer nur ich selbst, und doch wartet in meiner Seele der Funken auf das Feuer, das mich irgendwann zur Glückseligkeit führen wird. Doch ein anderer kann ihn mir nur zeigen, finden kann ich ihn nur selbst. Dieses Leuchten, dass die Welt ein wenig heller macht.

Ich lächel ihn an...er bleibt verwirrt stehen, und weiß selbst auch nicht warum. Er hat braunes kurzes Haar und ein sehr ausdrucksstarkes Gesicht. Winzige Lachfältchen zieren seine Haselnussbraunen Augen, die bis in meine tiefsten Untiefen sehen. Ernst und doch vergnügt sieht er mich an. Sein Mund, dessen weiche, und doch klare Linien den markanten Ausdruck etwas auflockern deutet ein leichtes Schmunzeln an.

Wir sehen uns in die Augen und es ist wie ein Dialog, den ich selbst nicht versteh. Sekunden ziehen sich wie klebriger Kaugummi in die Länge. Sekunden, die Leben verändern. Als erzählten wir uns eine Geschichte in einer fremden Sprache. Eine magische Geschichte, aus einer fernen Zeit. Doch dann ist der Moment vorüber, er gibt er sich einen Ruck, schüttelt leicht den Kopf als müsse er wieder zur Klarheit finden, murmelt ein Verzeihen Sie und geht mit schnellen Schritten davon.
Es war eine wunderschöne Begegnung. Meine Seele sagt Dank. *g*

Danke für eine schöne kreative Inspiration, die Wurzeln schlug...
21. Juli 2008
Und hinter her sage ich mir mein Leben lang:

Ach hätt ich doch nur den Mund aufgemacht.
Und hinterher frage ich mich:
Was wäre, wenn...

Dem Kopfkino sind alle Türen geöffnet...
Und natürlich auch den Selbstvorwürfen: Ach hätt ich doch...

Aber trotz allem. Du hast dieses in wunderschöne Worte gefasst:
diese kleinen Chancen, die uns dann hinterher so nachängen.

Danke.

Liebe Grüsse

Heinrich
22. Juli 2008

Ich tue mir immer schwer mit Menschen, welche die Gelegenheit - und nicht deren Ergreifung - lieben und mit der Gelegenheit allein schon (scheinbar?) glücklich zu sein scheinen.

Aber dennoch: Ein schöner, tiefer Text.
22. Juli 2008
auch von mir

.. ein Dankeschön für die kleine Flucht aus dem alltäglichen Morgen.

Dabei lese ich die Beschreibung dieser Begegnung ein klein wenig anders als Heinrich: für mich zeigt sich in dieser Momentaufnahme mehr gelingendes Leben als eine verpasste Chance.

Interessante Selbstbeobachtung - deutet es doch darauf hin, als hätte ich einen Punkt im Leben erreicht, in der die Sehnsucht nach der Erfüllung im Realen hinter die Freude der Illusion zurücktritt.
Ob das geht?
Zumindest passt es zur Virtualisierung meiner Lebenswelt.

Thomas
22. Juli 2008

Man muß Menschen auch einfach nur sehen und auf sich wirken lassen können!
Ich finde, Du hast hier ein wunderbares Beispiel niedergeschrieben, für einen Genuss der Augen, der über Emotion auch zum Genuss der Seele wird.
Und das macht manchmal reich genug!
Dein Text gibt das sehr gut wieder. Ich konnte Deinen Gedanken und Gefühlen sehr gut folgen, fast Vorausahnen, um was es geht und wie es Dir geht.

Gelegenheit?
Nicht alles ist Gelegeneit.
Ich kann auch sehr gut damit leben, dass eine phantastisch präsentierte Speise an mir vorbeigetragen wird, ich nur mit geschlossenen Augen deren Duft in mich aufnehme und mich lächelnd daran freuen, dass sie anderen schmeckt.
22. Juli 2008
@LaChatte

Nicht alles ist Gelegeneit.
Ich kann auch sehr gut damit leben, dass eine phantastisch präsentierte Speise an mir vorbeigetragen wird, ich nur mit geschlossenen Augen deren Duft in mich aufnehme und mich lächelnd daran freuen, dass sie anderen schmeckt.

Da hast du natürlich Recht.

Auch mal gönnen können...

ist schon wichtig.

22. Juli 2008
auch mir spricht deine Beschreibung aus dem Herzen

denn wer legt die Dauer einer Liebe fest oder deren Form?
Bei je mehr Wesen ich das Erkennen spüren kann, da spielt selbst die räumliche Distanz keine Rolle, desto reicher und lebendiger fühle ich mich.
wünsch dir immer mehr solche Begegnungen Olaf
23. Juli 2008

Tiefe Gefühle und Liebe sind immer wunderschön und ob kurz oder ewig, egal wielange sie dauern - es schmälert die Schönheit nicht...ganz wundervoll...*träum*...

das Fleckchen (das auch gerne wieder solche Momente erleben möchte)
06. August 2008

Auch mich spricht der Text an, jedoch glaube ich, daß die Sehnsucht nach der realen Erfüllung nicht auf Dauer ersetzbar ist, ausschließlich durch die Freude an einer Illussion.
Man kann gelassener werden, die Illussion geniessen, solange sich die Erfüllung nicht ergibt. Das geht schon, denke ich.
06. August 2008
Illusion oder Wirklichkeit

Erfüllung in jedem Moment *g*
Du hast recht man lebt nicht von der Illusion allein.
Was erfüllt einen? Was ist Illusion und was Realität.
Ist eine Begegnung denn eine Illusion?

Wenn einer träumt, ist es ein Traum, wenn beide träumen, ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.

Hallo Du,
ja dich mein ich *g*
Hey warum guckst du so traurig...
Darf ich mich zu dir auf die Bank setzen?
Verzeih dass ich dich einfach so anspreche, aber deine Haltung, dein Tränen an der Wange, die Art wie du dein Haar mit der Hand berührtest, verzeih ich konnte meinen Blick nicht abwenden, ich stand wie verzaubert dort drüben an der Mauer und hab dich beobachtet. Ich hoff du bist mir nicht böse?
Kann ich dich aufheitern? Ich kann voolll gut singen..I´m singing in the rain, i´m singing in the rain! Ja sicher es regnet nicht, und tja meine Töne sind auch wohl etwas schief, aber hey du lächelst ja, siehste geht doch. Hmmm, Eigentlich wollte ich die Blumen meiner Frau bringen. Ich bring ihr jeden Mittwoch Blumen ans Grab, das mag sie gern. Aber ich denk sie würd mir zustimmen, wenn ich sie heute dir schenke. Ja, die sind für dich. Bitte behalt sie. Weißt du, es hat lang gedauert bis ich drüber weg war, ja das kannst du mir glauben. Doch irgendwann sagte sie hier zu mir, und dabei hatte sie die Hände in die Hüften gestemmt, so wie sie früher immer vor mir stand, wenn sie etwas ärgerte und wollte dass die Welt nach ihrem Kopf ging, sie sagte: "Wenn du nochmal so traurig und miesepetrig zu mir ans Grab kommst, kannst du zuhause bleiben, ich ertrag das nicht mehr."
Das hat mir nen Ruck gegeben, meine Liebste wollte mich nicht mehr sehen. Also musste ich irgendwie wieder glücklich werden. Und nach einiger Zeit fand ich wieder eine Liebe Seele, siehst du, dort drüben steht sie, ist sie nicht eine Schönheit. Jetz hab ich halt zwei Frauen, dafür muss ich mich doch nicht schämen. Hey du lächelst ja schon wieder. So, jetz muss ich aber wieder los. Kopf hoch, und lächeln nicht vergessen.
08. August 2008
Ja, ich lächle wieder.

Nach einem Albtraum folgt ein Traum.
Ich wache auf.
Alles scheint so neu.
Hab ich das wirklich alles schon gesehen.
Kann doch nicht sein. Ich bin doch nicht blind.
Oder doch?
So viel Schönes umgibt mich.
Ich lächle schon wieder.
Boah, diese schöne Frau da hinten.
Ich schleich mich mal an...

Oh!

Frau Nachbarin...

Ich war wirklich blind.

Sie lächelt...

Ich lächle schon wieder.

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