Ignoriert

Nachdem ich allerdings meine erotischen Geschichten kurz durchgecheckt und festgestellt habe, dass sie wohl tatsächlich…

22. Februar 2008
Ignoriert

Hallo, ich bin neu hier und finde diese Gruppe wahnsinnig interessant. Nachdem ich allerdings meine erotischen Geschichten kurz durchgecheckt und festgestellt habe, dass sie wohl tatsächlich nicht jungendfrei sind (und ich selber kann FSK18 nicht sehen), stelle ich mal eine Geschichte von mir online, die eher in den Bereich "Humor" fallen würde *zwinker*

Viel Spaß beim lesen.



Ignoriert

„Das wird ein lustiger Abend, ich spür das ganz genau!“, sagte meine Freundin mit glitzernden Augen. Wir hatten für heute Abend wieder einmal einen unserer Spezial-Damenabende angesagt was nichts anderes hieß, als dass wir auf Männerfang waren. Diese denkwürdigen Worte gab meine Freundin Verena von sich, als wir gerade die Tür zu der Tanzbar öffnete, die wir für heute angesteuert hatten.

Wie immer ging ich zuerst ins Lokal und wie immer blieb ich kurz in der Tür stehen um den Eindruck zu erwecken, ich würde das Lokal nicht betreten, sondern regelrecht erscheinen. Ich wusste dass ich gut aussah und genoss diesen Moment, wo alle Augen auf mir lagen um zu sehen wer da reinkommt und um hängen zu bleiben weil ihnen gefiel was sie sahen. Gleichzeitig gab mir dieses Verhalten die Möglichkeit mit einem Blick die Situation im Raum zu erfassen. Und daher sah ich ihn auch sofort.

Er saß an der Bar. Lederjacke, Jeanshose, dunkle Haare, schlanke Gestalt und ein unglaublich attraktives Gesicht. Ich wusste sofort, dass dieser Mann mein heutiges Opfer sein würde. Ihn wollte ich. Bewundernde Blicke folgten uns als wir durch den Raum auf einen freien Tisch zusteuerten. Ich lotste meine Freundin an einen Tisch, von dem aus ich wunderbaren Ausblick auf meinen Auserwählten hatte.

Es dauerte nicht lange und wir wurden beide zum Tanz geholt. Die Männer ließen uns genau so viel Zeit, dass wir gerade mal von unseren bestellten Getränke nippen konnten und dann standen sie schon höflich auffordernd vor uns. Während des gesamten Tanzes versuchte ich so gut wie möglich auszusehen. Doch mein Traummann schenkte mir nur ein einziges mal einen kurzen, fast gelangweilten Blick und dann ignorierte er mich vollkommen. Total verärgert ließ ich nach dem Lied meinen Tanzpartner stehen, der gar nicht recht wusste, wie ihm geschieht und womit er mich verärgert haben könnte. Aber das interessierte mich nicht. Ich war am überlegen, wie ich am besten die Aufmerksamkeit dieses Typen auf mich ziehen konnte. Er schien ein außergewöhnlich harter Brocken zu sein. Ich betrachtete es als Herausforderung.

Da meine Freundin noch tanzte und ich einem anderen Aufforderer einen unmissverständlichen Korb gegeben hatte, hatte ich nun die Zeit und Muse mein jüngstes Opfer genauer zu betrachten. Er hatte ein gut geschnittenes Gesicht, eine gerade, fast schon aristokratische Nase, eine ausgezeichnete Haltung und schien sich sehr natürlich zu verhalten. Als ich ihn kurz Auflachen hörte, fühlte ich eine Gänsehaus. Welch wohlklingende, tiefe Stimme.

Ich verfiel ins Träumen. Wie dieser Mann wohl im Bett sein würde? Bestimmt zärtlich und doch kraftvoll. Und auf alle Fälle war er rücksichtsvoll und gleichzeitig fordernd. Ich sah es schon richtig vor mir, wie er ausgestreckt auf Seidenbettwäsche lag und sein Blick mich fast verschlang vor Begehren. In diesen Gedanken versunken, hatte ich ihn wohl versonnen angestarrt, jedenfalls war sein Blick auf mich gerichtet als ich aus meinem Tagtraum erwachte und er lächelte. Ich triumphierte, endlich war er auf mich aufmerksam geworden.

Sofort warf ich meine langen Haare über die Schultern und schenkte ihm mein verführerischtes Lächeln. Ich wusste genau, dass diesem Lächeln kein Mann widerstehen kann. Nun ja, er konnte. Ganz lässig beugte er sich wieder zu seinem Sitznachbarn und nahm das Gespräch mit ihm wieder auf. Ich fühlte mich wieder ignoriert. Trotzdem war ich voller Zuversicht, dieses Lächeln hatte doch alles gesagt. Mein Traummann versuchte sich nur interessant zu machen. Und ich musste auch zugeben, dass ihm das gelang.

Beim nächsten Lied schenkte ich meine Gunst wieder einem Aufforderer. Ich tanzte betont sexy und wusste genau, dass die Männer hier in der Tanzbar jetzt gerade alle Mühe gehabt hätten aufzustehen. Ich tanzte einen Art Befruchtungstanz, der die Männer heiß und die Frauen böse machte. Mein Tanzpartner fühlte sich offensichtlich zu Alice ins Wunderland versetzt und nur der tolle Typ an der Bar sah nur hin und wieder her und wirkte dabei irgendwie desinteressiert.
Nun gut, so klappte es also nicht. Ich machte kurzen Kriegsrat mit meiner Freundin, als wir endlich wieder beide am Tisch saßen und wir kamen auf das Ergebnis, dass dieser Mann scheinbar ein bisschen schüchtern und wohl sehr gut erzogen war. Ich musste wohl eine andere Taktik wählen, um bei ihm anzukommen.

So setzte ich mich hin, strich mein Kleid züchtig über die Knie und tat so als wäre ich furchtbar schüchtern. Ich konnte mir zwar vorstellen, dass dies nach meiner Vorstellung auf der Tanzfläche nicht mehr so 100% glaubhaft war, aber einen Versuch war es doch allemal wert. Zumindest sah er so, dass mein Interesse tatsächlich ernst war.

Denn das war es tatsächlich. Durch seine Zurückhaltung war er mittlerweile weit mehr geworden als ein Opfer für diese Nacht. Ich bildete mir ein ihn unbedingt haben zu müssen. So lange wie möglich. Er war wie für mich geschaffen, auch wenn er das noch nicht wusste. Er war bestimmt der Richtige für mich und mein Begehren stieg fast minütlich.

Ich lehnte jede Tanzaufforderung mit einem – wie ich meinte – keuschen Lächeln ab und wenn sich meine und seine Blicke zufällig trafen, senkte ich scheu lächelnd die Augen. Um sie dann mit großem Augenaufschlag wieder zu öffnen. Verdammt, das musste doch einfach wirken. Ich erbrachte die Schauspielleistung meines Lebens und der Typ reagierte genau wie vorher, bloß schien er nun auch noch ein bisschen verwundert zu sein.

Ich lief auf die Toilette um den Sitz meiner Frisur und mein Make-up zu überprüfen. Das konnte es doch gar nicht geben, dass der Typ so langsam reagierte. Langsam fiel mir nichts mehr ein, was ich noch ausprobieren könnte. Außer.. naja außer direkt auf ihn zugehen. Ob das so intelligent wäre? Nun viel anderes konnte ich nicht tun, also wartete ich auf eine gute Gelegenheit, die sich auch bald ergeben sollte.

Als der Sitznachbar meines Objekts des Begehren irgendwann auf die Toilette vertschüsste, sprang ich wie von einer Tarantel gestochen auf und lief zu meinem Schönling. „Verzeih dass ich dich einfach so anspreche, aber ich möchte dich gerne kennen lernen und ich sehe nicht ein, warum ich als emanzipierte Frau nicht auch mal einen Mann fragen kann, ob ich ihn auf einen Drink einladen darf.“

Himmel hörte sich das bescheuert an! War mir denn tatsächlich nichts gescheiteres eingefallen? Ich hatte mich vom Augenblick inspirieren lassen und dann kam so was raus. Das nächste mal würde ich mir wieder vorher schon überlegen, was ich sagen werde. Aber immerhin, ich habe nicht gestottert. Dafür lief ich jetzt knallrot an. Auch das noch, dabei bin ich das letzte mal vor gut 10 Jahren rot geworden. Welch tolle Gelegenheit dies hier und jetzt aufzufrischen.

Während mir all diese Gedanken durch den Kopf schossen, überhörte ich fast seine Antwort. „Wie bitte?“ Gottseidank schien er zu glauben ich hätte seine Antwort wegen der Musik nicht verstanden. Das hätte mir noch gefehlt, wenn er mich für schwerhörig oder sogar für schwer von Begriff gehalten hätte.

Nachdem er mir – diesmal etwas lauter - wiederholt hatte, dass er gleich gehen würde, er aber sonst gerne einen Drink mit mir nehmen würde, ritt mich wohl der Teufel höchstpersönlich, denn ich antwortete ihm mit provokantem Lächeln, dass er den Drink gerne auch bei mir in der Wohnung einnehmen dürfe.

Während er aufstand lächelte er mich auf eine Art und Weise an, dass mir ganz heiß wurde. Dann sagte er charmant: „Vielen Dank für das freundliche Angebot. Aber ich bin schwul und gehe nun lieber mit meinem Freund.“ Und damit verließ er mit seinem Sitznachbarn, der mittlerweile von der Toilette zurück gekommen war, das Lokal.

Da stand ich also. Die Leute rundherum, die das alles mitverfolgt hatten, lächelten mich spöttisch an. Aber wem stört so was schon? So was kann doch wirklich jedem mal passieren und die sollen sich nichts antun, ist doch nichts besonderes. Dumme Menschen die daraus gleich Schadenfreude beziehen, wenn ein harmlose Frau mal Pech hat. Jedenfalls störte mich das überhaupt nicht und ich ging selbstbewusst zurück zu meinem Tisch.

Ich betrat das Lokal nie wieder.
22. Februar 2008
Dumm gelaufen!

Die Art, wie Du beschreibst, gefällt mir! Auch die Absätze finde ich gut.
"Vertschüsste" - lach - nie gehört.

Da hast aber einen Klasse-Einstand geliefert, liebe Kalimba.

Hier Dein erstes Federlein!

Liebe Grüße
Christine
22. Februar 2008

Liebe Kalimba,

es hätte schlimmer kommen können ...

Authentisch geschrieben mit einem Ende voller Selbstironie.

LG Tom
22. Februar 2008
Danke

@kätzchen Vielen Dank für das Federlein, ich nehme an das ist eine Art Auszeichung? *g*

@herecomesthesun Vielen Dank auch dir. Gottseidank ist das eine rein erfundene Geschichte *lach*

lg
Kalimba
22. Februar 2008
Ja, Kalimba!

Kennst nicht den Ausspruch "sich eine Feder verdienen"?

Bei 20 Federn wirst Du "Mitarbeiter des Monats". *haumichwech*
Nein, Quatsch, es ist einfach eine nette Geste für die erste Geschichte, besonders tolle Storys undundund...

Liebe Grüße
Christine
22. Februar 2008

Hey Kalimba,

soll ich Dir das wirklich glauben?

... den alten Tom so auf's Glatteis führen ...

LG Tom
22. Februar 2008

ob die geschichte so passiert oder nicht naja, wie auch immer, ´live dabei´, könnte man sagen, so nah hast du geschrieben, ich geh oft tanzen seh sehr oft, solche situationen. *lach* aber nicht dich aus;)

Schön geschrieben. ´mehr bitte´

Lieben Gruß Whitfield
22. Februar 2008
Oh mein Gott

Ich glaub, ich wäre im Erdboden versunken. *gg*

Ob's wirklich erfunden ist - egal, es ist richtig klasse erzählt.

Einen lieben Gruß
Conny
22. Februar 2008
:-))))

Ich freu mich, dass die Geschichte so gut ankommt *jubel* *g*

Ich hab schon viel erlebt und noch mehr Phantasie. Aber komischerweise schreib ich selber erlebtes nie nieder. Alle meine Geschichten sind erfunden - naja manchmal Teil zwischen erlebt, ausgeschmückt und reines Kopfkino.

Und ich hab mich tatsächlich schon in schwule Männer verguckt, aber gsd immer rechtzeitig gemerkt was los ist *lach*

lg
Angelika, welche die "Mitarbeiterin des Monats" anstrebt *zwinker*
23. Februar 2008
*lach*

Das hat mich gerade so sehr an eine Situation erinnert die ich selbst erlebt habe, mit dem gleichen Ergebnis. Du hast eine herrliche frische Art und Weise zu schreiben. Freue mich schon auf weitere "Stücke"


Lg Ventra
23. Februar 2008
und warum

bin ich nie in der Bar, in der "Du" auf Jagt gehst?
Wohl weil ich zu den Korbträgern gehöre...... .
Stimmt nicht ganz - aber meine Letzte ging nach 2 Stunden heissesten Tanz mit ihrem Mann brav nach Hause.
Du schreibst richtig fesselnd. zum mitfiebern. olaf

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