Die Herz-Hirn-Leitung

Der Arzt gibt mir noch zwei Monate zu lieben. Danach soll ich ganz und gar gefühlskalt sein.

03. Februar 2008
Die Herz-Hirn-Leitung

Der Arzt gibt mir noch zwei Monate zu lieben. Danach soll ich ganz und gar gefühlskalt sein.
Das liegt an der Verbindung vom Gehirn zum Herzen. Die Leitung ist jetzt schon so porös, dass ich manchmal Dinge tue, die ich sofort wieder bereue. Mitten in meinen schönsten Glücksmomenten sickert da was in die Leitung und mir ist das ganze Liebesgetue auf einmal viel zu viel. Damit stoße ich meiner Partnerin manchmal ganz schön gegen den Kopf. In zwei Monaten wird sie weg sein. Sie sagt natürlich, dass sie für immer bei mir bleiben wird, aber wenn ich ihr nicht mehr zeigen kann, dass ich sie liebe? Man sagt, Liebe habe keine Grenzen, sei das Größte auf der Welt und geradezu magisch. Ja, und bei mir scheitert es an einer einzigen blöden Leitung.
Mein Arzt meint, diese unschicke Situation kann mehrere Ursachen haben. Entweder habe ich bei einem unproffesionellem Akkupunkteur mit zu langen Nadeln eine Sitzung gehabt oder es ist genetisch bedingt. Um letzteres zu klären musste ich meinen Stammbaum durchdenken, aber ich kam auf keine gefühlskalte Person in meiner Verwandschaft.
Ich überlege nun ständig schon, ob ich mich von Ludmilla trenne. Also jetzt bevor ich nicht mehr fühlen kann. Irgendwie kommt mir das schäbig vor, wenn ich sie jetzt noch bis zu meiner Kälte liebe. Es hat ja keine Zukunft. Auch wenn sie das anders sieht.
Vielleicht sollte ich es aber einfach ausnutzen, weil ich es sonst bereue. Aber kann man mit Gefühlskälte noch was bereuen? Kann ja sein, dass das gar nicht so schlecht ist. Kein Liebeskummer mehr, keine Scham, keine Angst, keine Wut. Das hört sich leider auch gar nicht so schön an.
Es gibt nur eine Chance, hat der Arzt gesagt. Ich muss einen jungen Welpen essen.

Ich soll einen Welpen essen?

Das ist Ihre einzige Chance Herr Stomeiber.

Einen richtigen Hund?

Ja, am besten töten sie ihn ganz frisch oder schlingen ihn lebend hinunter. Anders wird es nicht gehen.

Aber was bringt das?

Die Hundewirbelsäule passt sich ganz automatisch der Hirn-Herz-Leitung an, stabilisiert und verbindet dann. Wie das geht, haben die Forscher noch nicht herausgefunden.

Das ist ja widerlich. Dann fühle ich lieber nichts mehr.

Ja, schöner wäre es natürlich, wenn dieser Effekt auch möglich wäre, wenn sie schon gefühlskalt sind. Dann wäre es Ihnen nämlich egal ob sie einen Welpen essen oder ein Toast mit Rührei. Aber sobald die Leitung ganz gerissen ist, legt sich da auch keine Wirbelsäule mehr rauf.

Wie sicher ist es denn, dass mir diese Welpensache hilft?

99 %..

Mhh

Jetzt überlegen Sie oder?

Ja.

Der letzte Patient hat auch lange überlegt. Ein wenig zu lange.

Oh, wieso?



An dem Tag an dem er unter ärztlicher Aufsicht einen kleinen Dackel schlucken wollte riss seine Hirn-Herz-Leitung. Also genau am Anfang des Schluckvorganges. Da mussten wir den Welpen wieder zurück ins Tierheim bringen.

Und der Patient?

Der war nicht traurig.

Ach ja..

Ja!

Wie schluckt man eigentlich einen lebenden Welpen?

Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Mit den Kopf zuerst oder mit den Hinterläufen.

Und das passt?

Ja. Die meisten Menschen unterschätzen ihre Kiefer ungemein. Historiker gehen davon aus, dass Menschen damals ganze Wildschweine verdaut haben.

Ach Quatsch was erzählen Sie da? Das hab ich ja noch nie gehört.

Haben Sie schon mal vorher was von Ihrer Krankheit gehört?

Nein. Stimmt. Entschuldigen Sie bitte. Sie sind der Fachmann und nicht ich.

Das haben sie gut erkannt. Zum Welpen gibt es noch eine Alternative, aber die wurde noch nie gewählt.

Was denn?

Den Hals eines Schwans sich anal einführen lassen.

Ohne Kopf?

Das ist egal. Es geht um den Hals.

Hört sich irgendwie besser an.

Wirklich?

Ja.

Dann ist das kein Problem. Wann wollen wir den Termin vereinbaren?

Ja noch innerhalb des ersten Monats. Sicher ist sicher.

Schön, dass ganze ist natürlich mit einem erheblichen Kostenfaktor verbunden.

Sagten Sie ja schon. Aber das ist es mir wert. 3000 Euro bekommt man ja auch zusammen.

Das war der Preis mit dem Welpen.

Oh.

Anal und Schwan kostet 30 000 Euro.

Warum so teuer? Es ist doch kein Mehraufwand.

Haben Sie schon einmal einen Schwan gefangen? Die können mit ihren Schnäbeln zwicken. 20 000 sind alleine meine Gefahrenzulage. Welpen sind ja meist zutraulich und haben auch keine Vogelgrippe. Auf diese Krankheit müssen wir die Schwäne ja auch noch prüfen.

Mhh dann überleg ich mir das lieber noch ein wenig.

Denken Sie an die Zeit!

Mach ich.


Ich kann keinen Welpen essen. Ich meine, das versteht sich doch von selbst. Und dazu noch einen lebenden. Das kann doch auch gar nicht gehen. Vielleicht, wenn der Welpe wirklich ein ganz kleiner Babywelpe ist. Ich sollte die Woche noch mal im Tierheim nach jungen Hunden schauen und sie abmessen oder so. Hätte mein Arzt gesagt, ich müsse drei bis vier Heuschrecken essen oder so wäre das gar kein Problem gewesen. Hätte ich sofort gemacht.
Schon als Kind hatte ich einen Hund. Es war ein Schäferhund und er war stockdumm, aber ich liebte ihn und würde alleine wegen ihm nie einem anderen Hund was Böses antun.
Auf mein Herz kann ich in dieser Problematik nicht hören. Es schreit seit der Diagnose nur noch „Hilfe“ und greift nach jedem Strohhalm. Egal ob er ein wenig dicklicher ist und mit Fell überzogen. Mein Kopf sagt, dass ich auch ohne Gefühl leben kann aber ein Hund nicht ohne Körper. Ich habe noch ein wenig Zeit zum Überlegen. Bin selber gespannt wie ich mich entscheiden werde.
Von Ludmilla werde ich mich trennen. Ich werde Sie schon bald nicht mehr lieben. So oder so. Sie liebt Hunde wie ich und ich könnte ihr niemals gestehen, einen lebendig verschlungen zu haben.
Verlassen Sie diesen Text. Ich muss grübeln.
03. Februar 2008

einfach nur niveaulos ...
03. Februar 2008
Also

n Welpen? Naja, vielleicht wendet man sich im Falle einer Unessbarkeit an den örtlichen Chinamann? Der könnte den zumindest ein wenig frittieren vorher......

Bevor die Herz-Hirnleitung kollabiert... wer weiß schon was ein Mensch dafür nicht alles täte?

Im Übrigen... wir essen die Leber von Kälbern, ungeborene Hühnerbabies, Fischeier, Milbenkäse..... dumm, dass ein Welpe so süß ist, gell?

Tom

PS.: Pass bloss auf, dass dir keine Känguruh- Hoden untergeschoben werden, denn die lassen in Nullkommanix die Hirnzellen ins Nirvana verschwinden *haumichwech*

PS2.: ...könnte Kultstatus erwerben....
03. Februar 2008
Hallo Fluestern

Der Anfang der Geschichte gefiel mir gut, regte zum nachdenken an. ABER was dann folgte fand ich nur noch entsetzlich.

Wenn Du schockieren wolltest, bei mir ist es dir gelungen.

Tut mir leid ich kann dem ganzen nichts positives abgewinnen.

Herzliche nicht herzlose Grüße

Marlis
03. Februar 2008
Mal

ganz im Ernst und unabhängig von der Art des Schreibens:

eine Vorwegwarnung wie Risiken und Nebenwirkungen voranzustellen, damit niemand diese Ideen nachahmt, wäre vielleicht doch wünschenswert.

Wer weiß, wer das liest - verkehrte Schlüsse zieht und . . . .auf jeden Fall finde ich es eigenartig, wüsste auch nicht, wie ein Jugendlicher damit umgehen würde.

Das war jetzt nett von mir gemeint.
03. Februar 2008
vergleiche

wer sich ein wenig mit dem thema organspende befasst hat, der wird parallelen finden.

wieso sonst werden wohl immer noch illegal organe entnommen und verpflanzt, wenn nicht auch irgendwo jemand geld dafür zahlen würde und billigend den tod eines menschen in kauf nimmt? hier geht es "nur" um gefühlsverlust, aber eben auch "nur" um ein tier, das laut gesetz nicht mehr als eine sache darstellt.

nicht, dass wir uns falsch verstehen. mir gefällt die vorstellung nicht, aber kann hier wirklich jeder garantieren, dass er nicht auch nach jedem strohhalm greifen würde, wenn er sich ihm bietet? ist mir im zweifelsfall das leben des eigenen kindes wichtiger als das eines straßenkindes in was-weiß-ich-wo oder eines putzigen welpens aus dem tierheim?

ich weiß nicht, ob ich fleisch essen könnte, wenn ich ein tier selber dafür töten müsste und ich weiß nicht, ob ich nicht doch fähig wäre mir gesundheit oder die verlängerung des lebens zu erkaufen und dabei alles andere zu ignorieren.

nachdenkliche grüße
silke
03. Februar 2008
So etwas

ordne ich unter versackt ein.

Total unter Niveau, platt und oberflächlich.

Noch nicht einmal intensiv genug um abstrackt zu erscheinen oder irgendetwas hinein zu interpretieren als das ich mich mit so etwas nicht einmal im Delierium abgebe.

Da hab ich schon besseres erwartet. Man muß es leider dennoch gelesen haben um zu glauben, das überhaupt nichts paßt.

Lupardus
03. Februar 2008
mhm....

....wie weit geht mensch und zu was ist er bereit, um sein kleines leben zu retten?????!!!!!

brisantes thema, mit viel stoff zum nachdenken.....

...nur leider schlecht verpackt....sorry....aber meine meinung!

wolltest du uns hier provozieren????

menschliche grüße...anke
03. Februar 2008
makaber

aber treffend.
ich seh das eher als leider gar nicht so weit hergeholte satire auf unsere haltung zu gesundheit, götter in weiss (wenns ernst wird) und die unart oder hoffning, schnell was einzuwerfen (egal was, haupsache weiter wie bisher).
lasst euch bitte nicht davfon abhalten in euren geschichten weiter solche heisse eisen anzufassen.
die reaktionen sind eher beweis, dass es sinnvoll ist.
für mich als sexnormalo sind menschen die lust aus demütigung, sklavesein oder schmerzzufügen ziehen erschreckender, weil real.
und doch sehe ich hier die möglichkeit, mich damit auseinanderzusetzen und meinen horizont zu erweitern.


rückenundfederstärkolaf
03. Februar 2008

Sarkasmus hin, Sarkasmus her...

Ich fand das nun garnicht so schockierend.
Da gibt's weiss Gott schlimmeres - lese gerade
"Die 120 Tage von Sodom" *ürgs!*

Mich hat das Geschriebene, und das damit entfachte
Horror-Kopfkino tatsächlich fasziniert.
Widerlich, abstossend und trotzdem auf eine gewisse Art und Weise genial,
dass man die Story tatsächlich bis zum Ende verfolgt.

Natürlich würde diese Geschichte in jede Trash-Ecke gehören.
Doch machen nicht auch solche Storys unsere Passion aus?
Haben wir nicht alle einmal das Gefühl,
dass da was "heraus geschrieben" werden muss?

Ach Gefahr zu laufen, geteert und gefedert zu werden:
Kompliment für den Mut & die Schreibweise,
erinnert mich stark an Clive Barker's "Schweineblut Blues"
03. Februar 2008
Sorry

Das Thema: „Wie weit würde ich gehen, um meine eigene Gesundheit zu erhalten?“ ist schwierig und der Versuch Deines Denkanstoßes sicherlich löblich.
Dennoch finde ich die Umsetzung misslungen. Für mich klingt das nur nach Gruselgeschichte aus einem 3Groschenheft.

Entschuldige bitte. Ist nicht böse gemeint, aber so empfinde ich es. Ich weiß, dass Du das besser kannst!

Lieben Gruß
Conny
04. Februar 2008

Ich verstehe die ganze Geschichte als Realsatire. Und die Realität ist oft noch schlimmer. Man denke nur an die Versuchslabore.
Ein Tabu für Autoren?
Ich denke nicht.

War jemand von Euch schon einmal in einer Hühnerfarm? Nein? Das schockiert. War von Euch schon jemand im Zoo? Ja? Das schockiert.

Hier wurden die Auswüchse der Medizinpsychopathen niedergeschrieben, als Geschichte.

Provokant? Provokant!

Es muss nicht immer appetlich sein.

LG
Moritz
04. Februar 2008

Komischerweise kommen diese negativen Anmerkungen erst seit dem gelöschten Thread. Wäre der nicht gewesen hätte man die Story einfach lustig gefunden und nun..aua aua ohh der arme Hüni..
04. Februar 2008

Für den gelöschten Thread (Gründe habe ich erläutert) trage ich die Verantwortung, aber nicht deswegen schrieb ich eben diese Zeilen.

Ich meinte es ganz ernst, und durchaus nicht negativ.

LG
Moritz
04. Februar 2008
und dich

meine ich doch auch gar nicht *g*

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